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Zusammenfassung Herpes-Informationsveranstaltung vom 15.06.2010 im Bürgerhaus Schortens

Verfasst von Micha am 22. Juni 2010 - 5:57

Anmerkung des Verfassers: Der folgende Text wurde von Dr. Mattheis überprüft und frei gegeben.

Aktuelle Situation
Der erste Fall einer Herpes-Erkrankung des Typs EHV1 in dieser Region trat am 28.05.10 in der Umgebung von Varel auf. Das erkrankte Pferd

überlebte nicht. Zwei weitere Todesfälle folgten kurz darauf im selben Stall. Bis zum 11.06.10 erkrankten 16 weitere Pferde, die aber durch rechtzeitige und gezielte Behandlung alle auf dem Wege der Besserung sind. Seit dem wurden keine weiteren Fälle mehr festgestellt.
Die erkrankten Pferde stammen alle vom selben Hof. Zwei davon waren nur als Gäste dort, wurden aber bei Ihrer Rückkehr in den Heimatstall sofort isoliert, wodurch weitere Ausbreitung verhindert werden konnte.
Bei den Todesopfern handelte es sich ausschließlich um Fuchsstuten, was aber laut Aussage der Tierärzte Dr. Mattheis und Dr. Zech höchstwahrscheinlich Zufall sei.
Sollten bis zum 25.06.10 keine weiteren Fälle auftreten, geben die Tierärzte Entwarnung.

Krankheitsverlauf
Ein erkranktes Pferd zeigt zunächst nach außen hin keine Auffälligkeiten. Nur eine Temperaturmessung würde eine stark erhöhte Temperatur (40 Grad C) anzeigen.
Den ersten sichtbaren Anzeichen sind verschlag-ähnliche Versteifung und Taumeln. Innerhalb von Minuten führt die Krankheit anschließend bis zur vollständigen After-, Blasen- und Schweiflähmung und das Pferd legt sich fest.

Allgemeine Informationen zum Herpes-Virus
Generell werden Krankheiten durch Viren oder Bakterien übertragen, wobei Viren um ein vielfaches grösser sind als Bakterien. Je nach Stamm können beide Erreger durch Blut oder Tröpfchen-Infektion übertragen werden.
Den Herpes Virus gibt es in verschiedenen Haupt-Stämmen, die wiederum mehrere Sub-Stämme haben. Das hier im Bereich umgehende Virus ist „Herpes in nervaler Form“ und gehört zum
Haupt-Stamm EHV1. Es greift das zentrale Nervensystem an und verbreitet sich durch Tröpfchen-Übertragung (Flüssigkeits-Kontakt). Dieses muss nicht unbedingt im direkten Kontakt von Pferd zu Pferd geschehen, sondern kann z.B. auch vom Pferd auf den Menschen und dann vom Menschen auf das nächste Pferd übertragen werden. Da das Virus jeweils nur innerhalb einer Lebewesensart Schaden anrichten kann, geschieht dabei den Menschen nichts.
Jedes Lebewesen, jeder Gegenstand und jede Ausscheidung kann vom Virus genutzt werden, um sich vom erkrankten Pferd auf das nächste übertragen zu lassen. Es kann bei 20 Grad C bis zu 3 Monaten auf einem Wirt verweilen ohne zu sterben. Bei einer Temperatur von 4 Grad C sogar bis zu 7 Monaten. Eine Übertragung durch die Luft ist jedoch nicht möglich.
Im Blut ist das EHV1 nur in den ersten 2 Tagen nach Ansteckung nachweisbar. Man nennt diese Zeit das Stadium der Virämie. In den anschließenden Tagen versteckt es sich im Körper des Pferdes. Erst 14 Tage nach Ansteckung kann man es dann wieder durch einen Antikörpertest (Titer, doppelte Serum-Probe) nachweisen.

Behandlung
Es gibt bisher keine medizinische Möglichkeit, das Virus im Körper zu töten. Nur das körpereigene Immunsystem ist hierzu in der Lage. Da 90 % aller Pferde bereits in den ersten 3 Lebensjahren mit einer weniger gefährlichen Art des Herpes-Virus (Herpes Typ EHV1 und oder EHV4: Atemswegs-Erkrankung) in Kontakt gekommen sind, haben fast alle Pferde entsprechende Antikörper aufgebaut. Diese sind jedoch allein nicht stark genug, um das EHV1 zu bekämpfen. Daher besteht die Behandlung eines erkrankten Pferdes darin, sein Immunsystem zu stärken. Wird der Virus früh genug erkannt, führt diese Methode überwiegend zum Erfolg.

Schutz
Den einzig bekannten Schutz bietet eine Impfung mit speziellen Antikörpern. Diese sorgen dafür, dass das Immunsystem ausreichend Abwehrstoffe bildet, um einen eintreffenden Herpes des Typs EHV1 erfolgreich zu bekämpfen. Ein so geschütztes Immunsystem vernichtet zuerst die Vermehrungsfähigkeit des Virus und tötet ihn anschließend ab.
In der Konsequenz bedeutet dies, dass die Impfung zwar nicht vor der Ansteckung selbst schützt: Sie sorgt jedoch dafür, dass das Virus keine gravierenden Schäden anrichten und den Körper nicht mehr lebend verlassen kann. In anderen Worten: Ein geimpftes Pferd kann kein anderes Pferd mehr anstecken, weder durch direkten Kontakt noch durch Weitergabe über andere Wirte (Ausscheidungen, Menschen, Gegenstände etc.)

Menschen können sich davor schützen, als Überträger benutzt zu werden, indem Sie den Kontakt zu möglicherweise infizierten Tieren und anderen möglichen Überträgern zu vermeiden. Weil das in der Regel schwer realisierbar ist, sollte man sich vor und nach jedem Kontakt mit einem Pferd gründlich desinfizieren. Da es sich bei dem EHV1 um ein gehülltes Virus handelt, muss bei der Wahl des Desinfektionsmittels darauf geachtet werden, dass es auch gehüllte Viren vernichtet (DVG-geprüft). Nur solche Mittel können gehüllte Viren abtöten. Solche Desinfektionsmittel erhaltet Ihr unter anderem bei uns oder im Raiffeisenmarkt.

Was muss bei der Impfung beachtet werden
Eine einmalige Impfung reicht nicht aus, um einen ausreichenden Schutz aufzubauen. Zu Beginn ist immer eine Grund-Immunisierung erforderlich, die durch 2 aufeinanderfolgende Impfungen in einem Abstand von 4 bis 6 Wochen erreicht wird. Wird nur eine einzige Impfung verabreicht, ist der enthaltende Wirkstoff nicht in der Lage, länger als ein paar Wochen zu überleben und kann darüber hinaus seine volle Wirkungskraft nicht erreichen. Erst durch die 4 bis 6 Wochen später erfolgende zweite Impfung wird die Lebensdauer des Wirkstoffes auf maximal 6 Monate und 14 Tage erhöht. Innerhalb dieser Frist reicht eine weitere einmalige Impfung, um die Lebensdauer noch einmal um weitere 6 Monate zu verlängern. Würde erst nach vollständigem Ablauf dieser Frist eine Impfung verabreicht werden, stirbt der Wirkstoff wieder nach wenigen Wochen ab und erreicht seine volle Wirkungskraft nicht. Daraus folgt, dass eine erneute Grundimmunisierung vorgenommen werden müsste. Erst ca. 14 Tage nach dem zweiten Teil der Grundimmunisierung hat der Wirkstoff seine volle Kraft erreicht und kann das Pferd ausreichend schützen.

Obwohl es möglich ist, verschiedene Impfungen (Influenza und Herpes) zusammen in einer Spritze zu impfen, wird empfohlen, die Herpes-Impfung getrennt vorzunehmen. Dies hat den Hintergrund, dass der Lebendwirkstoff bessere Überlebenschancen hat, wenn er allein injiziert wird. Das bedeutet nicht, dass die verschiedenen Impfungen nicht direkt nacheinander erfolgen können, sondern nur, dass der Impfstoff gegen Herpes separat als eigenständige Spritze eine bessere Antikörperbildung bewirkt.

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